Wicker Klinik Bad Wildungen Wicker-Klinik, Bad Wildungen
                                               Abteilung: Neurologie  
         "Anerkanntes MS-Zentrum" der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft
  Fürst-Friedrich-Str. 2-4 · 34537 Bad Wildungen · Telefon: 05621 / 792 - 271 · Telefax: 05621 / 792 - 500

Informationen zu Krankheiten
Weitere Medizinische Informationen und Links - speziell auch von
der Wicker Klinik Bad Wildungen - finden Sie hier!

 

Polyneuropathie


Unter
Polyneuropathie versteht man eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Abhängig von der jeweiligen Ursache können motorische, sensible oder auch vegetative Nerven schwerpunktmäßig betroffen sein. Die Erkrankung kann eher die Isolation des Nerven (Myelin) oder eher den Zellfortsatz (Axon) betreffen, sie kann sich eher körperfern oder körpernah zeigen, es gibt symmetrische und asymmetrische Formen; stets aber sind mehrere Nerven betroffen (poly = viele). Die Symptome sind je nach betroffenem Nervenfasertyp und Körperregion vielfältig.

Diabetische Polyneuropathie: Einleitung

Nervenschädigungen durch Diabeteskrankheit sind sehr häufig und mehr als die Hälfte aller Betroffenen entwickeln solche Beschwerden. 

Polyneuropathie n (PNP) sind sehr häufige neurologische Erkrankungen und wirken sich hauptsächlich durch zunehmende Beschwerden an den Extremitäten, insbesondere an den Beinen aus. Diese können sich in Form von Sensibilitätsstörungen und/oder Schmerzen ausdrücken, hinzu kommen weitere Symptome (s.u.). Ursachen für Polyneuropathie gibt es sehr viele (bekannt sind über 100), jedoch sind oft auch die Entstehungsweisen unbekannt.  

Der hohe Zuckerstoffwechsel im Rahmen eines Diabetes mellitus ist dabei eine sehr häufige Ursache für die diabetische Polyneuropathie und ist in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern neben dem chronischen Alkoholmissbrauch der häufigste Grund für eine Polyneuropathie. Dies wurde in den vergangenen Jahren auch entsprechend statistisch dokumentiert, z.B. in der DCCT-Studie („Diabetes Control and Complications Trial“). Dabei ist die genaue Entstehungsweise für eine diabetische Polyneuropathie bei Diabetikern noch unklar. Die jüngsten Forschungsergebnisse zeigen jedoch eine so genannte „multifaktorielle Genese“ der Polyneuropathie. Dies heißt konkret, dass komplizierte Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Systemen im Stoffwechsel und dem Blutgefäßkreislauf bei gestörtem Zuckerstoffwechsel zu den Beschwerden führen. Die so genannte Therapie der „endoneuralen Hypoxie“, die Annahme eines Sauerstoffmangels im Zellkörper durch den gestörten Zuckerstoffwechsel, scheint dabei eine sehr wichtige Rolle zu spielen.

Der häufige Auslösegrund für eine diabetische Polyneuropathie ist ein schlecht eingestellter Blutzucker mit länger erhöhten Blutzuckerwerten. Dabei ist die Schwierigkeit bei der diabetische n Polyneuropathie für den Betroffenen und auch den Behandler, dass die Schädigungen der peripheren Nerven lange vor den klinischen Beschwerden einsetzen. Die betroffenen Zuckerkranken merken  Monate und manchmal auch Jahre nichts von den Beschwerden der diabetische n Polyneuropathie, die auch langsam und schleichend verlaufen und erst nach langer Zeit zu klinischen Symptomen führen. 

Bei der diabetischen Neuropathie unterscheiden wir zwischen einer peripheren Polyneuropathie und einer autonomen Polyneuropathie. Bei der peripheren Polyneuropathie sind die Nerven betroffen, die für Muskelbewegungen in den Armen und Beinen verantwortlich sind. Bei der autonomen Polyneuropathie wird das unwillkürliche Nervensystem (Sympathikus, Parasympathikus) betroffen, dies zeigt sich z.B. bei bestimmten weiter unten angeführten Symptomen des Verdauungssystems, der Sexualorgane, des Herzens, der Harnwege und der Schweißdrüsen.  

Wie sehen die peripheren Beschwerden bei der diabetischen Polyneuropathie aus? Die Betroffenen berichten über brennende und stechende Schmerzen an den Füßen und Beinen, später können diese auch an den Händen und Armen auftreten. Diese Schmerzen treten vor allen Dingen in Ruhe und/oder nachts auf und sind oft verbunden mit so genannten Sensibilitätsstörungen, d.h. Kribbeln, Taubheitsgefühl und ein vermindertes Empfinden für Druck, Berührung, Schmerzen und Temperatur. Insbesondere das fehlende Schmerzempfinden kann zu massiven Beschwerden der Füße führen („diabetisches Fußsyndrom“). Hinzu kommt, dass die Kraft in den Armen und Beinen oft nachlässt und dies nicht nur zu einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit im Alltag, sondern auch zu Fehlstellungen der Gelenke mit entsprechenden orthopädischen Folgen führen kann.  

Die Störungen des unwillkürlichen Nervensystems (autonome Polyneuropathie) bei der
diabetischen Polyneuropathie sind sehr unterschiedlich und können zu teils lebensbedrohlichen körperlichen Störungen führen. Zu nennen sind hier folgende Symptome:

  • Herzschlagfolge und der Blutkreislauf können gestört sein, d.h. der Ruhepuls des Herzens kann erhöht sein und steigt unter entsprechender Belastung nur mangelhaft an. Besonders gefährlich ist dabei, wenn die Nerven des Herzens geschädigt sind und auch Schmerzen in der Herzregion vom Betroffenen nicht wahrgenommen werden. Hier ist die Gefahr eines plötzlichen Herztodes bei einem Herzinfarkt durchaus gegeben.

  • Bei Störungen des Hormonsystems werden Blutzuckerschwankungen, die vom Gesunden bereits in geringen Mengen bemerkt werden, vom Betroffenen nicht wahrgenommen mit den oft typischen Symptomen wie innerer Unruhe, Nervosität, Appetitlosigkeit, Schweißausbruch etc.. Dies führt dann oft zu Fehleinschätzungen der klinischen Symptome mit entsprechenden Verzögerungen der Behandlung.

  • Betroffene mit diabetische r Neuropathie und autonomen Beschwerden leiden auch oft an Störungen des Magen-Darm-Traktes. Hierbei sind Völlegefühl, wechselweise Durchfall, Verstopfung und Schluckstörungen zu nennen. Die korrekte Magenentleerung wird oft zu spät wahrgenommen und wenn z.B. aufgenommene Nahrung mehrere Stunden zu spät aus dem Magen entleert werden, kann dies wiederum einschneidende Folgen im Zuckerstoffwechsel haben.

  • Auch Störungen der Harn- und Geschlechtsorgane sind häufig bei Betroffenen mit diabetische r Polyneuropathie. Als Symptome sind hier zu nennen: dass unkontrollierte Wasserlassen, Probleme bei der Stuhlentleerung, mangelndes Gefühl für die Füllung der Harnblase und selbstverständlich auch Sexualfunktionsstörungen wie Potenzstörungen.

Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) wird diabetische Polyneuropathie pathologisch anatomisch in nachfolgende Formen definiert:

  • Symmetrisch sensibel (häufigster Typ)

  • Symmetrisch-sensomotorisch oder asymmetrisch

  • Sondertypen: Diabetische Ophthalmoplegie

  • Diabetische Radikulopathie

  • Diabetische Amyotrophie (symmetrische proximale Muskelschwäche der unteren Extremitäten)

  • Asymmetrische Formen

  • Diabetische Mononeuropathien

(Leitlinienregister Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich medizinischen Fachgesellschaften – AWMF – 030 / 022 der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (zuletzt aktualisiert im März 2001)
Ausführliche Informationen zur Diagnostik und Therapie finden Sie unter:
www.poly-neuropathie.de/
diabetische-polyneuropathie/  

Toxische Polyneuropathie: Einleitung

Polyneuropathien (PNP) sind sehr häufige neurologische Erkrankungen und wirken sich hauptsächlich durch zunehmende Beschwerden an den Extremitäten, insbesondere an den Beinen aus. Diese können sich in Form von Sensibilitätsstörungen und/oder Schmerzen ausdrücken, hinzu kommen weitere Symptome. Ursachen für Polyneuropathie gibt es sehr viele (bekannt sind über 100), jedoch sind oft auch die Entstehungsweisen unbekannt. 

In der Fachliteratur sind periphere Nervenschädigungen durch Vergiftungen eher eine seltene Ursache (1 bis 2 %). In den letzten Jahren finden wir Neurologen immer mehr Patienten, die Kontakt mit giftigen Substanzen haben, wie bestimmten Lösungsmitteln und danach die klinischen Zeichen einer Polyneuropathie entwickeln. Daher gehen die Experten in Sachen toxische Polyneuropathie  von wesentlich mehr Betroffenen aus, die Tendenz wird eher steigend. 

Die diagnostische Schwierigkeit bei der toxischen Polyneuropathie ist nicht nur der Nachweis der giftigen Substanz als Ursache der klinischen Beschwerden, sondern auch die oft diffusen Beschwerden der Patienten. Auch wenn toxische Substanzen als Ursache der Beschwerden in Frage kommen, zeigen die Betroffenen oft nicht nur Zeichen einer toxischen Polyneuropathie.

In dem Merkblatt für die ärztliche Untersuchung zur BK 1317 („Polyneuropathie oder Encephalopathie durch organische Lösungsmittel und deren Gemische“, Universität Rostock) werden folgende toxische Einzelstoffe genannt, die eine toxische Polyneuropathie auslösen können: N-Hexan, n-Heptan, Methylethylketon (2-Butanon), Methylbutylketon, Methanol, Ethanol, Benzol, Toluol, Xylole, Styrol, Monochlormethan, Dichlormethan, 1,1,1-Trichlorethan. Außerdem lösen viele bekannte toxische Substanzen verschiedenste klinische Symptome, wie Magen-Darm-Beschwerden, Haarausfall, Nagelveränderungen, schwere Hautveränderungen aus und können auch eine toxische Polyneuropathie verursachen. Zu nennen sind hier z.B. DDT, Trichloräthylen, Arsen-, Blei-, Thallium- u. Organophosphatverbindungen, Benzol, Benzin oder Blei. Auch die Wirkstoffe einzelner Medikamente sind verantwortlich für eine toxische Polyneuropathie, z.B. Chloroquin, Gentamicin, Hydantoin oder Imipramin.  

Wie sehen die klinischen Symptome einer toxischen Polyneuropathie aus? 

Zum einen finden sich die typischen sensiblen und/oder motorischen Ausfälle mit strumpf- und handschuhförmiger Verteilung an den unteren Extremitäten, besonders an den Füßen. Es findet sich jedoch bei der toxischen Polyneuropathie im Gegensatz zu den anderen Polyneuropathie n spezifische Merkmale. Zum einen entwickeln sich die klinischen Beschwerden oft unmittelbar nach dem Kontakt mit der entsprechenden Substanz, d.h. dies dauert meist nur einige Tage. Somit ist das ein wichtiger Unterschied zur diabetischen oder auch alkoholtoxischen Polyneuropathie, wo sich die klinischen Beschwerden oft erst nach Monaten und Jahren zeigen. Nach dem bereits oben zitierten Merkblatt zur Berufskrankheit BK 1317 spricht ein Auftreten von mehr als 6 Wochen nach Kontakt mit der toxischen Substanz eher gegen eine solche Ursache. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu den anderen Polyneuropathien ist die meist sehr günstige Prognose bei dieser Form der Polyneuropathien. Toxische Polyneuropathie n heilen fast in allen Fällen vollständig aus.

Auch schwerere klinische Bilder bilden sich meist nach Jahren vollständig zurück, die durchschnittliche klinische Symptomatik beträgt 6 bis 12 Monate. Wenn keine weiteren Kontaktmöglichkeiten mehr mit der toxischen Substanz bestehen, schließt ein Fortschreiten der Erkrankung auch die Verursachung durch diese aus. Oft sind die Symptome recht dramatisch am Anfang mit den typischen Sensibilitätsstörungen, die von distal nach proximal aufsteigen und nachts zunehmen. Auch bei dieser Form der Polyneuropathie kann das unwillkürliche Nervensystem (autonomes Nervensystem) betroffen sein und zu teils lebensbedrohlichen körperlichen Störungen führen. Zu nennen sind hier Störungen des Herz-Kreislaufsystems mit Rhythmusstörungen, Empfindungsstörungen des Magen-Darm-Trakts mit Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung und Schluckstörungen und Störungen der Harn- und Geschlechtsorgane wie unkontrolliertes Wasserlassen, Probleme bei der Stuhlentleerung, mangelndes Gefühl für die Füllung der Harnblase und auch Sexualfunktionsstörungen. Bei der toxische n Polyneuropathie zeigt sich jedoch auch bei schwerem klinischem Verlauf oft ein sehr eindrucksvoller Rückgang der Symptome, die sich bei den anderen PNP-Formen nicht findet. Oft bleiben nur geringe neurologische Störungen übrig, wie z.B. Reflexabschwächung, die im Alltag nur unwesentlich behindern oder diskrete Sensibilitätsstörungen, die ebenfalls die Lebensqualität nicht einschränken.
Ausführliche Informationen zur Diagnostik und Therapie finden Sie unter:
www.poly-neuropathie.de/
toxische-polyneuropathie/

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit!
Ihr Team von der Wicker-Klinik, Bad Wildungen

Animationen animierte Augen

Weitere Medizinische Informationen und Links für Patienten und Interessierte - von Amyotrophe Lateralsklerose bis Toxische Polyneuropathie -   finden Sie hier!

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.

Sagen Sie uns ruhig mal Ihre Meinung!
Oder stellen Sie Ihre Fragen...
und klicken Sie sich rein:

Sie möchten diesen Artikel ausdrucken? Markieren Sie den gewünschten Text, gehen Sie in der Symbolleiste auf "Datei", dann auf "Drucken", danach "Markierung" anklicken und dann erst drucken, denn sonst verlieren Sie durch die nachfolgende Themenübersicht unnötiges Papier.

Aktualisiert: Juli 2010

Weitere Informationen zu Krankheiten finden Sie bei der Wicker-Gruppe unter www.informationen-zu-krankheiten.de. Info-Material zur Klinik anfordern: www.wicker-gruppe.de/infomaterial-anfordern.html

Weitere Fragen? Ihre Meinung?
Schicken Sie uns eine e-mail

info@wicker-klinik.de

Fax Abt. Neurologie : 05621 792500
Telefon Abt. Neurologie : 05621 792271

Wicker-Klinik

· Impressum · Anfahrt

Werner Wicker KG
Fürst-Friedrich-Straße 2-4 · 34537 Bad Wildungen
Telefon: 0 56 21 / 7 92 - 0 · Telefax: 0 56 21 / 7 92 - 6 95 
Eine Klinik der Wicker-Gruppe

Gebührenfreies Service-Telefon 0800 - 738 48 20

Haftungshinweis:
Für die gemachten Angaben wird keine Gewähr übernommen; im Einzelfall ist immer ein Arzt zu konsultieren! Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich.